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Dezember 03, 2018

Spektakulärer Erfolgsmaßstab: Wie Jupiter für die typische Dynaudio Qualität sorgt

Im Herzen der Dynaudio Labs in Dänemark haben sich unsere Entwickler mit einem riesigen Roboter verbündet, der nur einem Zweck dient: die Wahrheit zu enthüllen …

Daniel Emonts trägt bei Dynaudio den Titel des „Senior Acoustics Designer“. Wenn er über unsere neuen Evoke Lautsprecher spricht, kann er seine Begeisterung kaum verbergen. „Das sind nicht nur großartige Lautsprecher“, sagt er stolz. „Tatsächlich sind sie mit Abstand die besten Lautsprecher in dieser Kategorie, die Dynaudio jemals entwickelt hat.“

Das ist natürlich schön. Aber wie wurde dieses Ziel erreicht? Die Entwicklung eines neuen Lautsprechers ist ein unglaublich mühsamer und aufwändiger Prozess – vor allem wenn er in die Hände von Perfektionisten gelegt wird. Der einzige Weg zum Ziel führt über Tests. Sehr, sehr, viele Tests. „Die Entwicklung eines guten Lautsprechers dauert sehr lange“, sagt Daniel. Aber selbstverständlich sind Tests nur ein Teil der Produktentwicklung. Feinabstimmung, Entwerfen und (als wichtigster Schritt von allen) analytisches, intensives Hören verlangen Zeit.

Man ist versucht, Jupiter – die riesige Messeinrichtung – als eine Dynaudio Geheimwaffe zu bezeichnen. „Früher ließen wir möglichst keine Informationen über unsere Entwicklungsarbeit nach außen dringen“, erklärt Alex Newman, der Akustikdesigner der Evoke Serie. „Aber jetzt haben wir Jupiter, und da gibt es eigentlich nichts mehr zu verstecken. Das Statement lautet: ‚Schaut her, das sind unsere Messwerte‘ – aber das heißt noch lange nicht, dass andere Unternehmen dieselben Lautsprecher wie wir bauen können.“

Es wäre auf jeden Fall schwierig, eine so große Einrichtung geheim zu halten – zumal ihr Herzstück ein riesiger Roboter ist. Mit einem riesigen Raum und einem riesigen Roboter ließe sich so manches anfangen. Man könnte dort Raumschiffe bauen oder die Weltherrschaft planen. Wir verwenden Jupiter für etwas anderes. Und bei der Entwicklung und Optimierung der Evoke eröffnete er uns völlig neue Dimensionen.

Auf die Größe kommt es an

Jupiter ist groß. Sehr groß. Jupiter ist ein riesiger, hohler Würfel mit einer Kantenlänge von 13 Metern, tief im Innersten des Dynaudio Labs Gebäudes. Er ist mit Technologien ausgestattet, die es uns erlauben, auch noch die kleinsten Details der dort untersuchten Dynaudio Produkte zu messen. Die monolithische neue Confidence 60, die Evoke Serie, sogar die elegante kleine Music 1 … Sie alle waren hier schon zu hören.

Die Funktionalität dieses Raums ist faszinierend. Natürlich können hier einzelne Lautsprecher gemessen werden. Aber aufgrund der Größe des Raumes können unsere Entwickler hier auch mehrere Lautsprecher auf einmal installieren, um typische Hi-Fi-Konfigurationen zu simulieren. Es kommt schließlich eher selten vor, dass ein High-End-Fan nur einen einzigen Lautsprecher aufstellt. Anschließend führt der Roboterarm mit seinen 31 Mikrofonen eine 360-Grad-Messung durch. Danach kennen wir den Lautsprecher nicht nur so, wie er sich im Sweet Spot präsentiert – sondern von allen Seiten.

Früher hätte man hierfür einen reflexionsarmen Raum verwendet – also einen mit schalldämpfenden Materialien präparierten Raum, der Echos und Nachhall nahezu vollständig eliminiert. Klatschen Sie doch einfach mal in die Hände. Wenn Sie sich nicht gerade in einen reflexionsarmen Raum befinden (und falls ja: Was tun Sie dort?), werden Sie je nach Raumbeschaffenheit Echos und einen Nachhall wahrnehmen. Reflexionsarme Räume absorbieren die zusätzliche (Schall-)Energie. Das Resultat ist eine beunruhigende Stille (in der sogar man sein Herz schlagen und die Gelenke knarren hören kann).

Das Problem ist, dass diese Wirkung bei tiefen Frequenzen nachlässt. Die typischen Absorberkeile und Glaswolle-Elemente funktionieren nur im Mittel- und Hochtonbereich wirklich gut. Um auch Bässe in den Griff zu bekommen, muss der Raum vergrößert und mit noch mehr Material präpariert werden. Das steigert die Kosten beträchtlich, die Wirkung aber nur in überschaubarem Umfang.

Wir haben uns gegen eine solche Aufrüstung entschieden. Den reflexionsarmen Raum können wir in Jupiter aufgrund dessen enormer Größe simulieren, ohne dass wir uns mit den unerwünschten Nebeneffekten auseinandersetzen müssten. Wir schalten dazu – vereinfacht gesagt – unsere Messmikrofone zwischen den Impulstönen (einem alle Frequenzen abdeckenden Klicken) und deren Reflexionen an den Wänden ab. Es geht dabei nur um Sekundenbruchteile, aber auf diese Weise nehmen wir gewissermaßen den Raum selber aus der Gleichung heraus.

Wer gegenüber Mitarbeitern von Dynaudio Jupiter erwähnt, darf sich auf faszinierende Geschichten freuen. „Ich würde sagen, dass wir den Entwicklungsprozess damit auf das Drei- bis Vierfache beschleunigen“, so Daniel Emonts. Die schiere Größe von Jupiter spielt dabei eine wesentliche Rolle. Bevor es Jupiter gab, musste das Entwicklerteam eine dreistündige Rundfahrt vom Unternehmenssitz in Skanderborg nach Aalborg machen, wo die Messung eines Lautsprechers in einer deutlich kleineren Anlage auch einmal drei Tage dauern konnte. „Jupiter ist groß“, sagt Daniel, „es können also zwei Teams mehr oder weniger gleichzeitig mit unterschiedlichen Geräten dort arbeiten. Aufgrund der Größe der Anlage können wir bestimmte Lautsprecherkombinationen auch als Einheit messen, so dass wir nicht ständig etwas verschieben müssen.“ Messungen, die früher Tage dauerten, können jetzt in einer halben Stunde abgeschlossen werden.

Aber Daniel ist nicht der einzige Jupiter-Begeisterte bei Dynaudio. Alex Newman ist genauso begeistert. „Jupiter ist unglaublich, denn wir kommen damit so viel schneller zu Ergebnissen“, ergänzt er. „Ich habe Stunden da drin verbracht, um die Evoke zu optimieren – aber jedes andere Verfahren hätte Wochen in Anspruch genommen.“

Angewandte Wissenschaft

Das System ermöglicht eine große Zahl von Messungen. Was hat es mit dem Roboter auf sich? Er ist mit 31 Mikrofonen in einem Abstand von 6° bestückt. So kann er in einem Durchgang über 180° messen. Der Bogen, auf dem diese Mikrofone montiert sind, kann gedreht werden – ebenso wie die Plattform, auf der sich der zu prüfende Lautsprecher befindet. Somit sind Messung über 360° möglich. Die Jupiter-Software wurde bei Dynaudio selbst entwickelt.

Die Bedeutung von Tests nach streng wissenschaftlichen Kriterien ist nicht zu unterschätzen. „Messungen sind im Audiobereich unverzichtbar“, sagt Daniel. „Wer sagt, dass sie nicht notwendig sind, weiß nicht, wovon er spricht. Wir benötigen sehr viele Daten, um die Verwendungsmöglichkeiten eines Chassis beurteilen zu können.“

Auf der anderen Seite, ergänzt er, sind erfahrene Ohren für die Qualität des Endprodukts immer noch entscheidend: „Zwei gleich flache Kurven, die mit unterschiedlichen Frequenzweichen-Topologien zustande gekommen sind, könnten ganz verschieden klingen – hier ist das Fachwissen des Ingenieurs ein wesentlicher Faktor bei der Entwicklung eines guten Lautsprechers.“

Tests, die bislang Wochen in Anspruch nahmen, dauern jetzt nur noch Tage – und Tests, die Tage gedauert haben, sind nun eine Sache von Minuten. Und natürlich könnte man argumentieren, dass ein solches Präzisions-Messwerkzeug in den Händen von Perfektionisten ein zweischneidiges Schwert ist. Die große Versuchung: Auf der Suche nach dem perfekten Lautsprecher mit dem Messen einfach nicht mehr aufzuhören. Der heilige Gral: Das noch etwas bessere Produkt. Etwas von unendlich hoher Qualität, das auch in den Wohnzimmern der anspruchsvollsten Hi-Fi-Fans ein überragendes (Klang-)Bild abgibt.

„Am Schluss geht einem die Zeit aus“, sagt Alex. „Es gibt ja immer noch etwas, das man machen kann und will.“ Vom Gehäusevolumen über die Beschaffenheit des Dämpfungsmaterials im Inneren – alles steht zur Debatte. Und jeder Test, der von den Entwicklern mit Jupiter durchgeführt wird, zeitigt interessante Ergebnisse, legt neue Entscheidungen nahe. „Deshalb sollten wir eigentlich über Deadlines froh sein“, sagt Alex. „Sie zwingen uns, fertig zu werden.“

Ein guter Entwickler ist nie zufrieden. Wir alle wissen das. Und so mögen wir es eigentlich auch. „Ich würde diese Arbeit nicht mehr machen, wenn ich einfach zufrieden wäre“, sagt Alex über sein ständiges Streben nach herausragendem Klang. „Wenn ich es je wäre – was sollte ich danach anstreben?“

Alex und sein Entwicklerteam mögen darüber klagen, dass sie nicht ad infinitum testen, ihre Tests optimieren und verfeinern und dann weiter testen dürfen, bis ein Lautsprecher mit bislang undenkbarer Detailfülle vor ihnen steht. Aber letzten Endes ist ihr Verlust unser Gewinn. Denn wenn die Entwicklung der Evoke Serie abgeschlossen ist und die Lautsprecher versandbereit im Lager stehen … können sie sich an die Entwicklung des nächsten unglaublichen Dynaudio Produkts machen.

Für die Ohren unserer Entwickler wird nichts jemals perfekt sein – aber mit Jupiter kommen sie diesem Ideal atemberaubend nahe.